Heizung extrem und Solardaten

Dank Klimaanlage hab ich die Möglichkeit, im Winter zwei verschiedene Heizsysteme zu vergleichen. Das Wetter war die letzte Zeit recht stabil, 2-8°C, keine Gäste, da kann man den Wärmebedarf ja mal auf nur Arbeitszimmer reduzieren. Der Rest des Hauses ist unbeheizt, d.h. Temperaturen von 12-14°C in allen anderen Räumen, kuscheliges Hütten-Zelt-Feeling im Schlafzimmer. Da die Hütte bei weitem nicht luftdicht ist, schimmelt auch nichts.

Für die restliche Auswertung gibt’s dann Daten. Wenn ich nur das Büro heize, von etwa 08-20 Uhr, gehen da etwa 3kWh Strom rein. In der Grafik ist direkt noch der Solarertrag pro Tag mit ersichtlich, weil durch die tiefstehende Sonne auch noch recht viel Wärme direkt einstrahlt und den Wärmebedarf verringert — sieht man gut am 29.11. Am 30.11. war ich den halben Tag weg und brauchte weniger Wärme. Kostenpunkt für “nur Büro” also mit neuen Strompreisen ab Januar etwa 90 Rp. Der Raum ist sehr schnell warm, aber die Wärme fühlt sich etwas anders an, es bleibt immer noch bis am Nachmittag fusskalt, was mich aber nicht stört. Das Aussengerät auf dem Dachboden brummt manchmal etwas, aber stört nicht.

Und was ist die Alternative? Gasheizung, also hab ich auch das ausprobiert. Warmwasser abgestellt (15°C Duschwasser gehen gut, wenn man vorher auf dem Rudergerät/Velo war), Thermostate in allen Räumen abgestellt und dann die Gastherme morgens 08 Uhr angestellt und bis 20 Uhr laufenlassen, ähnliche Aussentemperatur. Ergebnis: zwei Kubikmeter Gas, also 20kWh, nur um das Arbeitszimmer zu heizen. Der gesamte Heizkreislauf im Haus wird erwärmt, es dauert länger, bis es warm ist, die Wärme fühlt sich aber irgendwie solider an. Dazu kommt ein leichtes Rauschen der Heizung. Kostenpunkt mit Gas: 2 Fr.

Das ist aber nur in diesem Extremvergleich so. Die Grenzheizkosten, um nur das Arbeitszimmer zu heizen, wenn der Rest des Hauses eh halbwegs warm ist, sind vermutlich bei weniger als der Hälfte davon. Die Arbeitszahl der Klimaanlage dürfte vielleicht bei 2.5-2.8 liegen, d.h. der Wärmebedarf des Arbeitszimmers bei grob 8kWh pro Tag. Und bei noch tieferen Aussentemperaturen wird die Klimaanlage auch ineffizienter, d.h. da geh ich dann auf Gas, was wegen Frostschutz eh nötig ist. Alles ziemlich logisch, und beim Nachschauen der Arbeitszahl hab ich u.a. bei Buderus auch genau diese Schlussfolgerung gelesen.

Was man an den Solardaten auch noch sieht und gut vergleichen kann: unten auf dem Kellertreppendeckel sind 100Wp schräg (30°) installiert, oben an den Fensterläden 200Wp senkrecht. Am 27.11. gab es oben 292Wh, unten 110Wh, entsprechend in der Ausbeute 292Wh/200Wp und 110Wh/100Wp. Höhere Ausbeute = 1.46 / 1.1 = 32%. Im Sommer dann natürlich entsprechend andersrum, aber da kommt eh noch die professionelle Dachanlage.

Dazu passend gab es von heute noch die euphemistisch, wenn nicht gar irreführend betitelte Pressemitteilung meiner Lieblingsstadt* Wil: “Mehr Geld für Solarstromanlagen“. Erst dachte ich “oh gut”, beim Lesen dann “oh schlecht”. Das Ziel ist es, Grossanlagen zu fördern. Damit sie das aber finanzieren können, schrauben sie die Förderung von 600Fr./kWp auf 300Fr./kWp zurück, damit läge meine Einmalförderung für die Investition nicht mehr bei 4800 Fr., sondern bei 2400 Fr. — das ist ein Unterschied von zwei 3-Monats-Interrail-Globalpässen 1.Klasse 😀 Kurze Email an https://junodag.ch/ (normalerweise wär ich kurz rübergegangen) — nächste Woche kann ich das vorbereitete Gesuch unterschreiben und einreichen, so dass die alte/aktuelle Förderung zum Zug kommt.

*Ironie und so, vielleicht waren die 8-10 Jahre Wohnsitzdauer für die Einbürgerung auch eine gesunde Maximaldauer 🙂

Solarpanels senkrecht

Die Solarpanels auf dem Kellertreppendeckel laufen problemlos seit Frühling 2022. Eins der Panels war aber schon von Anfang an eigentlich dazu gedacht, an den Fensterladen montiert zu werden. Weil es aus Symmetriegründen aber besser aussieht, wenn beide Fensterläden vorm Arbeitszimmer Panels dran haben, hab ich vor zwei Wochen per ÖV noch ein baugleiches Panel (Offgridtec 100W-OLP) am anderen Ende des Landes zwischen Thun und Bern abgeholt. Wechselrichter hatte ich insgesamt auch schon drei Stück (einen pro Panel), da war eigentlich nur noch das Befestigen und Verkabeln nötig, das hat etwa 2h gedauert. Die Alu-Fensterläden sind schön leicht, mit vier zurechtgebogenen Winkeln, M5-rostfrei-Befestigungsmaterial und ein paar Blechschrauben war das problemlos zu befestigen und sogar die Kabel liessen sich noch gut rausführen.

Die Wechselrichter habe ich auf einem Brett verschraubt, vielleicht ersetze ich die zwei WR später noch durch einen stärkeren mit Serienschaltung der Panels, das gibt weniger Verkabelungsaufwand und braucht weniger Platz. Die Stromdurchführung nach innen geht per kleinem Bohrloch in der Ecke des Fensterrahmens, da ist es trocken und geschützt. Drin wird der Strom per Tasmota-Sonoff entgegengenommen und gemessen, die Daten in die influx-DB abgekippt. Die WR werden noch mit einem unauffälligen grauen PE-Rohr (oder Dachrinnenende) verkleidet zwecks Spritzwasserschutz.

Die Läden lassen sich auch noch bequem schliessen, obwohl das Panel auf der Seite etwas übersteht. Und falls sich jemand beschweren sollte, ist alles auch innerhalb von sehr kurzer Zeit fast rückstandsfrei rückbaubar.

Sämtliche Verdrahtung funktionierte auf Anhieb. Insgesamt ist das eh nur Spielerei, aber bei etwa 300 Fr. für Panels, Wechselrichter und Zubehör wird sich das sicher amortisieren. Die grosse Anlage fürs Dach ist inzwischen bestellt und kommt 2023.

Insurance Innovators Summit 2022

Business-Dress 🙂

Die letzte Business-Konferenz ausserhalb der Schweiz, auf der ich war, war Insurance Innovators Counter Fraud im März 2019. Mittwoch/Donnerstag war ich mal wieder in London auf einer Veranstaltung desselben Veranstalters, aber ohne Spezialthema Betrugsbekämpfung, sondern allgemein ein “Insurance Innovators Summit”. Laut Werbung waren 75% der Teilnehmer C-Level oder höher (also Management), dementsprechend gab’s wenig Inhaltstiefe für Leute wie mich. Vermutlich wäre ich da sonst auch nicht hingefahren, aber sie hatten mich für eine Paneldiskussion eingeladen, die wiederum vom Thema Betrugsbekämpfung handelte. Das war ganz witzig, bisschen mit Mikrofon rumzulaufen und praktischerweise das Konzerthemd vom Sonntag gleich nochmal anziehen zu können. An die Diskussion anschliessend gab es auch ein paar nette Kontakte, aber nichts Weltbewegendes. Ansonsten gab’s halt wieder den üblichen kapitalistischen Blödsinn zu hören, und insbesondere bei der Autoversicherung jede Menge davon. Auch ganz sustainable ist natürlich, dass man inzwischen Holzbesteck nutzt und wegwirft und aus ökologisch produzierten Pappbehältern isst, die man hinterher wegwirft; anstatt dass sie im Catering in einem extrem grossen Konferenzzentrum mal vernünftiges waschbares Geschirr und Besteck nutzen würden.

Besser war eigentlich das Drumherum: beim letzten Mal hatte ich (bzw. der Arbeitgeber) für eine Nacht im Hotel 480 Fr. gezahlt. Dieses Mal hatte ich lieber ein airbnb gemietet für 650 Fr. für drei Nächte, und auch noch für drei Personen, weil ich aufgrund meiner Speaker-Tätigkeit gratis noch Arbeitskollegen mitnehmen konnte. Bei Konferenzgebühren >1200 EUR pro Person macht das schon was aus. London scheint leiser geworden zu sein, und die Luft scheint auch besser zu sein, seit sie viele Strassen durch Velorouten ersetzt haben. Ist immer noch nicht so, dass ich da aus freien Stücken hinfahren würde, aber es ist erträglich — und es sind extrem viele Bromptons unterwegs. Vielleicht ist mir das ohne eigenes Faltvelo vorher aber nur nicht aufgefallen.

Was richtig gut ist: bei der Tube und allem, was von Transport for London kommt, kann man sich das Kaufen von Tickets jetzt komplett sparen. Man kann an den Ein- und Ausgangsschranken, wo man eine Oyster-Card oder seine Fahrkarte einlesen muss, jetzt einfach mit irgendeinem seiner kontaktlosen Bezahl-Geräte durch. Also z.B. Kreditkarte auflegen und beim Rausgehen wieder auschecken, fertig. Keine Regstrierung notwendig, kein Tarifwirrwarr: man bekommt am Ende einfach den günstigsten Tarif berechnet. Wenn man mehrmals am Tag fährt, ist der Preis halt bei der Tageskarte gedeckelt, je nach Zonen etc.

Wenn man schon mal unterwegs ist, kann man ja auch ins Theater gehen. Ich hatte noch drei Plätze für “Phantom of the Opera” gekriegt, Balkon erste Reihe, perfekte Sicht auf die Bühne und in den Orchestergraben, in dem höchstens 20 Leute waren, jedes Instrument vermutlich nur einmal besetzt und verstärkt. Ich hatte das noch nie live gesehen und es lohnt sich. Viele schöne Effekte, durchdachtes Bühnenbild, bunte und düstere Szenerie, dafür sind 140 CHF nicht zuviel, zumal das damals in Milano im Teatro alla Scala ähnlich teuer war.

Her Majesty’s Theatre, Phantom of the Opera, 2022-11-17

An- und Abreise finden unter Ausnutzung des noch gültigen Interrailpasses statt. Etwa 10h und 1250km Tür-zu-Tür, mit dem extrem nervigen Eurostar dazwischen. Die Planung für das ganze System müssen sie irgendeinem Flugzeugdeppen gegeben haben, weil das genau die negative Benutzererfahrung widerspiegelt, die man beim Fliegen auch hat, nur langsamer. Gepäckscan, Menschenscan, ewig eher vor Ort sein, lange im Terminal rumsitzen, zweimal Passkontrolle (okay, dafür kann nur UK was) und dann zahlt man ja auch noch massiv mehr als für den Flug, und zwar allein für die Reservationen. Ein Flug Zürich-LondonCity hätte etwa 120 EUR gekostet, allein mit den Zwangsreservierungen für Basel-Paris und Paris-London und retour bin ich schon bei 120 EUR. Ohne den Interrailpass hätte dieselbe Fahrt etwa 800 EUR gekostet. Mehrmals umsteigen, jedesmal potentiell Anschlussbruch, Wanderung oder anderer Transfer in Paris (Gare de Lyon -> Gare du Nord oder Est->Nord), da muss man echt gern Zug fahren, um da nicht den Flieger zu nehmen. Reservationspflichten im Zugverkehr sind sowieso das Dümmste, was es gibt, das macht das komplette offene System kaputt. Die Möglichkeit einer Reservation ist hingegen praktisch, dann kann man ohne Stress einsteigen. Und trotzdem stehen die Leute ab 10 Minuten vor Ankunft fast alle im Gang, das ist eine spannende Sozialstudie. Die Internetgeschwindigkeit ist umgekehrt proportional zum Fahrtempo, hab ich so den Eindruck.

Langfristig Solarstrom eingekauft

Noch im Sommer, bevor die neuen Strompreise der TB Wil rauskamen, hab ich entschieden, mich am Bürgerbeteiligungsmodell tbw.solar.wil einzukaufen. Für 250 Fr. bekommt man 20 Jahre lang 80kWh Stromgutschrift im Jahr. Ich hab direkt 1000 Fr. investiert und bekomme jetzt dafür 320 kWh jedes Jahr gutgeschrieben. Was wichtig ist: ich bekomme die Menge gutgeschrieben und nicht irgendeinen fixen Preis pro kWh. D.h. bei steigenden Strompreisen wird meine Investition mehr wert.

Nachdem jetzt der erste Monat mit einer entsprechenden Gutschrift abgelaufen ist und ich eine Rechnung habe, sehe ich auch, wie es technisch umgesetzt wird. Was laut Reglement schon vorher klar war: die Gutschrift erfolgt vorrangig im Hochtarif HT, dann (falls im HT nicht genügend Verbrauch) im Niedertarif NT und wenn man gar nichts verbraucht, verfällt die Gutschrift. Auf der Rechnung (ich war den ganzen September nicht da, darum so wenig) sieht das dann wie folgt aus:

Die Gutschriftmenge von 26kWh pro Monat wird mit dem Bruttopreis des HT-Stroms multipliziert. Gleichzeitig gibt es für dieselbe Menge noch einen “ökologischen Mehrwert” dazu, der willkürlich festgelegt werden kann und (böse gesagt) dazu genutzt werden kann, die Verluste der TBWil mit dem Beteiligungsmodell zu begrenzen.

Als ich den Strom gekauft habe, war mir klar, dass die Gutschrift zu aktuellen Preisen nicht so hoch sein würde wie das, was ich bezahlt habe.

  • (8.72+4.5) Rp./kWh * 20 Jahre * 320kWh = 846.08 Fr. (alles Hochtarif, investiert habe ich 1000 Fr.)

Aber es war ja absehbar, dass die Preise stark steigen würden. Damit sieht die Rechnung ganz anders aus, weil der Hochtarif von 8.72 auf 16.16 Rp./kWh steigt und auch der Niedertarif von 7.65 auf 12.92 Rp./kWh stark ansteigt.

  • (16.16+4.5) Rp./kWh * 20 Jahre * 320kWh = 1322 Fr. (Hochtarif)
  • (12.92+4.5) Rp./kWh * 20 Jahre * 320kWh = 1115 Fr. (Niedertarif)

Selbst wenn der ökologische Mehrwert ganz entfallen sollte, lande ich im HT bei 1034 Fr. und im NT bei 827 Fr., also nicht wesentlich schlechter als bei den alten Tarifen. Im besten Fall kommt da eine Rendite von 1.4% raus. Abgerechnet wird am Ende und eigentlich müsste man die allfällige gesparte Vermögensteuer und die Inflation auch noch mit einbeziehen.

Ganz spannend wird’s aber im Zusammenhang mit der bestellten Solaranlage. Die ist ja auf möglichst wenig Netzbezug mit Speicher konzipiert und da dürfte es grad in den Sommermonaten vielleicht schwierig werden, tatsächlich 26kWh pro Monat aus dem Netz zu holen, ohne das Haus per Klimaanlage einzufrosten. Da muss ich vielleicht mal airbnb-Gäste mit Elektroauto laden lassen, aber auch damit können die ja nicht mal 200km fahren.

Cliffhanger: vielleicht wird die Abrechnung aber auch quartalsweise (wie der Rechnungszyklus) gemacht, d.h. ich bekomme pro drei Monate 80kWh gutgeschrieben; das würde es einfacher machen, in diesen drei Monaten mal in einer Sonnenflaute sowieso benötigten Strom aus dieser Gutschrift zu verbrauchen. Da würde es sich dann aber auch direkt lohnen, auf Jahresrechnung umzustellen, um das Optimierungsproblem ganz elegant zu umgehen 🙂

Einbürgerungsgesuch angeschaut

Im Einbürgerungsgespräch Ende August wurde mir abschliessend der weitere Zeitplan eröffnet: Ende September die Sitzung der Kommission, danach wird mir dann die Verfügung zugestellt. Diese kam pünktlich am 04.10. mit der Post und beinahe zeitgleich hänge ich mit einer Reihe anderer Gesuchsteller am Rathaus in Postkartengrösse aus.

Heute hab ich mir mein eigenes Gesuch mal vor Ort in der Stadtkanzlei angeschaut. Da braucht’s keine Anmeldung, einfach Zimmer 21 und fragen gehn, dann werden einem die in gelbe Klarsichthüllen gesteckten Dossiers vorgelegt. Ich hatte mich ja noch gefragt, ob ich überhaupt mein eigenes Dossier würde anschauen können, denn am unteren Ende der Personenliste steht ja “Wer in der Stadt Wil stimmberechtigt ist…” und das bin ich ja noch nicht. Ist ein bisschen wie Write-Only Memory. Das öffentliche Gesuch enthält den von mir ausgefüllten Mantelbogen mit Stichpunkten zu Lebenslauf und Wohnort, mein handschriftliches Gesuch und die Verfügung der Stadt, die mir auch zugestellt wurde (die wiederum einen zusammengefassten Lebenslauf enthält). Ich würde sagen, die 1800 Fr. Gebühr sind durchaus kostendeckend 😉

Laut Auskunft der Sachbearbeiterin kommt äusserst selten jemand die Gesuche anschauen. Üblicherweise bleibt der Stapel während der Auflagefrist unangetastet.

Rückfahrt Lofoten-Schweiz

04:30 Uhr Abfahrt in der Unterkunft, rüber nach Leknes. Ich hätte auch an der E10 an einer Bushaltestelle warten können, aber es ist immer nett, wenn man am Bereitstellungsort der Bus-/Bahnlinie schon einsteigen kann. 05:30 Uhr war Abfahrt, ich war bis kurz vor Moskenes der einzige Fahrgast an diesem Donnerstagmorgen. Der Bus hat Anschluss auf die Fähre, die Überfahrt mit der Fähre ist für Fusspassagiere (und wohl auch Velos) gratis.

In Bodø waren es nur ein paar hundert Meter bis zum Bahnhof, da hab ich auf die Stadtrundfahrt auch verzichtet und noch schön im Bahnhofsbuffet rumgesessen. Ab 12:26 Uhr dann im Premium-Sessel etwa 10h lang nach Trondheim.

Ein bisschen Verspätung kam zusammen, aber der Anschluss mit dem Nachtzug ab Trondheim etwa eine Stunde später ist auch wirklich als Anschluss geplant. Und zwar sogar so, dass man im Tagzug schon seine Schlüsselkarte für den Nachtzug abholen kann. Da war in Trondheim nur noch Umsteigen und Hinlegen angesagt, sehr cool.

Morgens in Oslo angekommen, bin ich erstmal frühstücken gegangen, danach hatte ich dann lange Zeit bis zur Fährabfahrt um 14 Uhr und hab die für 50km Stadtrundfahrt mit vollem Gepäck genutzt. Geht immer noch problemlos, nur der Rucksack nervt irgendwann. Ich kannte Oslo auf dem Velo ja eh schon von früher, also hab ich diesmal halt eine Tiles-Runde gemacht: https://ridewithgps.com/trips/104326647.

Den Trubel mit den Fusspassagieren beim Ein- und Auschecken vom Kreuzfahrtschiff kannte ich schon. Hab gewartet, bis fast alle drin waren, damit ich nicht ständig absetzen und wieder aufnehmen musste zum Tragen. Dafür hatte ich dann in Kiel die spontane Idee, dass ich ja direkt vom Fahrzeugdeck rausfahren könnte, weil man da schon über alle Berge ist, während sich die Fusspassagiere noch auf der Rampe stauen 🙂 Die mitgebuchte Rückfahrt Kiel-Oslo ist dann natürlich verfallen. Am ICE stand Kiel-Zürich, der wäre auf einer Rückfahrt tatsächlich sehr praktisch. Dann kamen nur noch einige erstaunlich ereignislose Bahnfahrten in DE und ab St. Margrethen dann wieder verlässlicher Taktfahrplan. Für solche Touren ist das Faltvelo wirklich die beste Begleitung mit dem höchsten Nutzwert, die/den man kriegen kann. Die rote Hülle hat altersbedingt jetzt einige Löcher, die ich flicken wollte, aber ich hab schon im tutti eine originale nagelneue Tragehülle von Dahon erstanden. Im Januar geht’s dann wohl ohne Velo nochmal in den Norden.

Nordlichter gemäss Fahrplan

Mit Ansage laut Wetterbericht gab’s gestern abend/nacht gut was zu sehen am Himmel. Ein riesiger grüner wabernder Ringausschnitt mit der Mitte im Norden. Immer wenn ich dachte “okay, reicht”, war’s auf der anderen Seite nochmal stärker. Zum Glück war’s noch recht warm von 21-22:45.

Wahrscheinlich ging es noch die ganze Nacht weiter, aber mir hat’s gereicht 🙂

Best Wettern

Sonntag: eine Runde geocachenderweise um den Offersøykammen drumrum, etwa 14km Tür-zu-Tür, davon bin ich etwa die Hälfte über riesige Steinmurmeln geklettert. Der Zeit-Podcast “Alles gesagt” mit Thomas Zurbuchen war dabei sehr unterhaltsam und hat bequem die 4:20h Wanderzeit überbrückt. Auf Berndeutsch wär’s sicher noch lustiger gewesen. Der Podcast wurde Ende Juni aufgezeichnet, Anfang August gesendet und inzwischen weiss man ja, dass er nicht mehr NASA-Direktor ist. Einige Sätze in dem Gespräch bekommen da eine andere Bedeutung.

Gestern Meetings, Debugging, Emails, ein ganz normaler Montag, egal ob in Rossrüti, Oerlikon oder Leknes, nur mit ziemlich starkem Wind hier. Das Wetter gibt sich aber jetzt noch alle Mühe, dass ich wiederkomme: heute und morgen 36-48h klarer Himmel angesagt, das begann schon gestern abend und ging heute früh farbig weiter.

Da ein grösseres Meeting eh abgesagt wurde, hab ich die Zeit von früh bis am frühen Nachmittag schon für eine 55km-Runde nach Unstad und zurück genutzt. Das scheint da ein Surferparadies zu sein. Bei der Kilometerschätzung hatte ich zwei Tunnels und ordentlich Höhenmeter übersehen, aber mit Verpflegung an Bord war das kein Problem. Erst gab’s einige Kilometer E10 auf dem Radweg, dann 6km E10 ohne Radweg, aber auch mit wenig Verkehr und dann ging’s nach links Richtung Unstad. Der erste Tunnel war flach, den zweiten Tunnel hab ich spontan (tile-optimiert) auf der alten Passstrasse umfahren, was mir gute Aussicht von 168m Höhe und eine holprige Abfahrt nach Unstad durch Schafe beschert hat.

In Unstad bzw. im Wasser waren so einige Surfer unterwegs, die ich anfangs beinahe mit Robben oder Seelöwen verwechselt hatte. Nach einer Mittagspause ging’s wieder retour, diesmal durch den Tunnel (mit Steigung). Ein paar Pfanddosen und Pfandflaschen hab ich auch noch eingesackt und direkt in Leknes beim Supermarkt mit abgegeben, wie immer.

Jetzt noch als Challenge möglichst viele Reste aufessen und vielleicht noch Nordlichter sehen heute nacht. Wäsche wird gewaschen und am Donnerstagmorgen beginnt die Rückreise.

Samstagsrunde

Es wird merklich früher dunkel. Auf NRK kamen sogar schon Berichte über Leute, die beim Wandern von der Dunkelheit überrascht wurden — nicht ohne einen sehr sarkastischen Unterton à la “jedes Jahr wieder Ende September”. Ich hab das grossmehrheitlich trockene Wetter heute für 50km mit zwei “Pass”-Fahrten genutzt und bin auch mal durch Wohngebiete gefahren. Es gibt recht viel Bautätigkeit, aber trotzdem Wohnungsmangel und stark steigende Preise. Hypothekarzinsen 3%, Wohnungs-/Hauspreise so von 500k-1MCHF, ist ja wie in Rossrüti, aber mit Fisch statt Käse 🙂 Das Pendant zu Stockwerkeigentum scheint selveierleilighet zu sein. Ist auch eine andere Kultur hier, man kauft/finanziert halt und zahlt keine Miete, sondern ewige Zinsen an die Bank.

Erst kam ich zufällig bei der Feuerwehr vorbei, die grad Tag der Offenen Tür hatte, drum war da die halbe Stadtbevölkerung zu Besuch. Klar, wenn die alle da rumstehen, können sie daheim nichts anzünden. Die Feuerwehr hat jedenfalls grad ein Auto auseinandergefaltet, aber das sah eher irreversibel aus. Reine Physik, A-Säule durchknipsen und dann an beiden Seiten ziehen, dann geht das oben auf wie eine senkrecht durchgeschnittene Raclettekartoffel.

Weiter durchs Wohngebiet und südöstlich von Leknes noch ein Tile eingesammelt, dabei gab’s sehr schön windstilles Spiegelwasser im Fyglsjøen.

Weiter ging’s über einen putzigen Pass verkehrsfrei Richtung Osten.

Das Quietschgeräusch ist inzwischen weg, warum auch immer. Und als ich heute zum Zweck des Kette-Nachspannens die Fuhre verkehrtrum hingestellt hatte, lief jede Menge Regenwasser aus der Lenkstange. Da scheint der obere Teil wohl abgeschlossen und dicht zu sein. Weiter Richtung Ure und dann zurück nach Norden und auf der 815 via Leknes/kiwiminipris heim.

Der Fernseher hier hat Youtube, die aktuelle Folge von MaiThinkX ist sehr unterhaltsam zur Homöopathie, ähnlich gelagert wie vor drei Jahren von Jan Böhmermann; erstere streng wissenschaftlich-logisch, letzterer satirisch-logisch.

My first tunnel

Schon blöd, wenn man keine Lust hat, durch einen unterseeischen Tunnel zu fahren, aber damit ein Grossteil der Landschaft in der Nähe abgeschnitten ist. Auf der Mittagsrunde heute habe ich mir den Nappstraumtunnel aber doch mal spontan angeschaut und ihn dann befahren. Wie üblich ist das Nervigste der Lärmpegel, egal ob Elektroauto oder nicht, die sind ab 50km/h eh alle gleich laut. Die Luft im Tunnel war akzeptabel, 850m Abfahrt, 100m flach, 850m Auffahrt. Auf der anderen Seite ging’s bis nach Myrland weiter und dann wieder zurück, teilweise in der Sonne, aber immer trocken heute. Zurück dann nochmal mit erhöhtem Schwierigkeitsgrad im Tunnel: ich fahr ja schliesslich nicht die 850m auf dem holprigen Fussweg, sondern schön ordentlich mit >50km/h auf der Fahrspur bergab, und musste dann auf -63m mal die Spur kreuzen. Bergauf ist der Seitenstreifen schon angenehmer. Der Nordkapptunnel hat -212m und ähnliches Gefälle, wie ich grad nachgeschlagen habe.

Und so ganz nebenbei hab ich noch einen grösseren Bug in einem zentralen System und den Machine-Learning-Modellen gefunden und beheben lassen. Das gab mehrere dicke WTF-Momente, dabei wollte ich doch einfach nur forensisch was nachvollziehen. Das nicht-provozierbare und nicht-lokalisierbare Quietschen am Alpenfalter stresst mich aber deutlich mehr 🙂 Bin erstaunt, wie problemlos das Velo auch lange Strecken bisher klaglos übersteht. Momentan bin ich grad mit Sprit überversorgt, weil mir mein Vermieter eine Tüte selbstgebackene Brötchen überreicht hat. Die haben die ganze Zeit über meiner Wohnung an neuen Fenstern herumgewerkelt und wollten sich wohl für den Lärm entschuldigen, dabei hat der mich gar nicht gestört. Vielleicht gibt’s Sa auf So nochmal Nordlichter zu sehen, die Wettervorhersage zeigt klaren Himmel an.